Xerophytische Bromelien

Guten Tag Gast. Schön, dass Sie mal hereinschauen! Einen angenehmen Aufenthalt wünscht das "Sukkulentenforum"-Team.
  • Das ist ja krass! 8|

    Also, wem sein Kaktus zu fad ist, oder wenn er nicht blühen will, dann einfach mit Tillandsien verzieren, dann blüht auch der hartnäckigste Blütenverweigerer :!: ^^


    Aber gesund sieht das nicht aus, wenn die Tillandsien da so an den Areolen sitzen. - Oder täuscht das? :/

    Viele Grüße

    vom

    Kleinen grünen Kaktus


    Schönheit ist Ansichtssache, darum lässt sich darüber nicht diskutieren!

  • Aber gesund sieht das nicht aus, wenn die Tillandsien da so an den Areolen sitzen. - Oder täuscht das?

    Die Tillandsien sitzen da nur ganz brav und zapfen auch nix an. Die haben keine Verbindung zu irgendwelchen Saftströmen ihrer Unterlagen und sind reine Selbstversorger. Sonst würde das auf Glas ja auch nicht klappen...

    Der einzige Nachteil für den Kaktus ist, dass ihm etwas Licht genommen wird. Mehr fällt mir zumindest grad so spontan nicht ein.


    Aber krass isses wirklich. Mir ist erstmal die Kinnlade runtergefallen bei dem Anblick!

    "Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

  • Oh, dann bin ich ja beruhigt, dass der arme Kaktus nicht zu Schaden kommt dadurch. - Danke für die Erklärung, Matthias. :)

    Aber das würde ja heißen, damit könnte man Säulen, die Jahrzehnte bis zur Blüte brauchen, oder in Topfhaltung gar nicht blühen, doch zu Blütenschmuck verhelfen. - Wenn auch nur geleast. :saint:

    Viele Grüße

    vom

    Kleinen grünen Kaktus


    Schönheit ist Ansichtssache, darum lässt sich darüber nicht diskutieren!

  • Durchaus - nur sind Tillandsien jetzt auch nicht unbedingt soooo die Blühteufel. Aber klar, irgendwoher muss der Samen ja kommen. ;)

    "Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

  • Na, so blühfaul sind die gar nicht!

    Das Problem ist nur, der Spross stirbt (in aller Regel) nach der Blüte ab. Da Tillandsien aber auch mehr oder weniger stark kindeln / sprossen, bedeutet das nicht den Tod der Pflanze an sich, sondern nur der Sprossachse. Wenn also die Pflanze früh genug sprosst, so dass ein Spross im nächsten Jahr bereits wieder blühfähig ist, hat man wirklich jedes Jahr seine Freude an der Pflanze. Bei anderen dauert es dann teilweise wenige Jahre, bis wieder ein Spross blühfähig ist. Wenn aber wirklich mehrere Sprosse entstehen, so hat man bald einen schönen Ball mit Sprossen in jedem Stadium und wird jedes Jahr die wunderschönen Blüten genießen können.

    Also nix da blühfaul :saint:

    Vorsicht: ich habe eine Trichose!

  • Mittlerweile haben sich auch ein paar meiner anderen Bromelien etwas erholt. Während meiner Abwesenheit hat es scheinbar sehr viel geregnet, was den kleinen echt zugute gekommen ist! <3


    Dyckia Hybride "Keswick"


    Ornithophytum gurkenii

  • Domino-Effekt.... >>>

    Erst hab ich ne hübsche Wurzel gefunden, da machen sich ein paar Tillandsien gut drauf, dachte ich..... Also 5 kleine draufgesetzt....

    heute hat mich der Wahn gepackt =O und ich habe bei Dehner Korkplatten und nen Stein (Restekiste, zusammen 10.-€) sowie 10 kleine Tillis gekauft. Wenn der mit Kleber verbundene "Untergrund" hält, kommen die neuen Pflänzchen drauf. :love:

    LG Ulle


    Behandle die Schöpfung mit Respekt und deine Mitmenschen so, wie du behandelt werden willst

  • Hallöchen zusammen!


    Seit meinem letzten Post hier im Thema haben sich auch meine größeren Bromelien mittlerweile mehr oder weniger gut gefangen (trotz Winter) und einige sind mittlerweile definitiv wieder gut fotografier-bar!


    Deshalb dachte ich, hier würde sich ganz gut ein kleiner Eintrag zur Gattung Deuterocohnia machen. Der Name ist zwar unglaublich grausam, ich bin mir aber sicher, dass fast jeder hier zumindest aus botanischen Gärten eine Art dieser Gattung kennen wird: D. brevifolia (subs. chlorantha):




    Normalerweise sieht man die Pflanzen allerdings als großes, halbkugliges Polster mit oftmals mehr als 2 Metern Durchmesser. Wie ich ja letztes Jahr schon geschrieben habe, haben es mir die Xerophytischen Bromelien total angetan, vielleicht gerade weil sie so "unter dem Radar" der meisten fliegen. Meine größte Obsession dabei sind definitiv Dyckia, aber auch viele der anderen sind mir mittlerweile ans Herz gewachsen. Spannend ist, dass Deuterocohnia (Syn. Abromeitiella) eine der Gattungen ist, die am aller nächsten zu der Gattung Dyckia stehen. Da die Rosetten von Deuterocohnia brevifolia eigentlich nie mehr als 2cm Durchmesser bekommen und man oft nur das große Polster vor Augen hat, besteht für die meisten hier auch kein offensichtlicher Zusammenhang. Allerdings lassen sich die Gattungen Dyckia, Encholirium und Deuterocohnia in der Dyckia-Clade zusammenfassen und sind vermutlich die jüngste Gruppe der Xerophytischen Bromelien, die sich erst vor ca. 11 Millionen Jahren von dem Rest der Bromelien entwickelt haben muss (Givnish, 2011, Phylogeny, adaptive radiation, and historical biogeography in Bromeliaceae: Insights from an eight-locus plastid phylogeny. American Journal Of Botany 98(5): 872-895.)


    Vereinen tut sie unter anderem, dass sie alle über CAM Photosynthese verfügen und in ihrem Gewebe wie unsere anderen Schützlinge auch Wasser einlagern können. Damit sind sie perfekt an ihren trockenen Lebensraum angepasst, in dem sie auch mit Kakteen vergesellschaftet wachsen. Soweit mir bekannt ist, breitet sich das vorkommen von D. brevifolia in Bolivien sogar bis auf 3000 Höhenmeter aus und die Pflanzen können problemlos auch stärkeren Frost wegstecken (Zumindest theoretisch, praktisch dürfen sie dabei niemals feucht stehen, weshalb sie leider trotzdem maximal für ein Kalthaus oder Frühbeet bei uns geeignet sind). Ich selber habe meine Pflanze letztes Frühjahr vereinzelt und werde vielleicht nächsten Winter mal ein Kälte-Experiment mit einem Topf versuchen


    Die nahe Verwandtschaft zu Dyckia sieht man allerdings bei den, eher weniger häufig gepflegten Vertretern der Gattung viel viel stärker. Hier ist zum Beispiel Deuterocohnia longipetala:



    Diese Pflanze hätte ich, wenn ich es nicht besser wissen würde glatt zu Dyckia gestellt. Generell ist das unterscheiden der einzelnen Arten und Gattungen durch ihre Konvergente Evolution recht schwer. Hechtia z.B. ist genetisch gesehen sogar relativ weit entfernt von Dyckia, es gibt allerdings Arten, die sich (ohne Blüte) unglaublich ähnlich sehen. Hinzu kommt, dass sich auch weiter entfernte Gattungen wie Dyckia und Hechtia ohne große Probleme miteinander hybridisieren lassen. Pflanzen, die aus dieser Herkunft stammen und nicht gut dokumentiert sind, dürften ein absoluter Albtraum in der Identifikation sein.


    Zur Pflege: Ich mache bei meinen Xerophytischen Bromelien nichts anders, als bei meinen anderen Kakteen und Sukkulenten - Ab Mitte/Ende September stehen sie komplett trocken, bekommen das erste Mal Wasser zwischen April und Mai (Je nach Wetterbericht) und getopft werden sie in größtenteils Mineralischem Substrat. Hier nehme ich einfach meine Standard-Mische, wie ich sie auch bei meinen Aloe verwende - Also etwas Humus untergemischt. Gedüngt wird auch nur 2x Pro Jahr, ich mag es lieber, wenn die Pflanzen sehr kompakt wachsen.


    Hinweis: Meiner Empfindung nach tun sich alle Xerophytischen Bromelien (die ich pflege) sehr schwer damit, wenn ihr Wurzeln gestört werden und sie brauchen recht lange, um nach einer Teilung wieder Fahrt aufzunehmen. Wenn ihr die Pflanzen vermehren wollt (Durch Ableger) oder komplett neue Erde braucht, macht das am besten direkt zu Beginn der Saison, damit die Pflanzen sich genügend berappeln können, bis der nächste Winter kommt.


    Ich hoffe, ich konnte hier vielleicht ein wenig Interesse für die Welt der Xerophytischen Bromelien wecken! Bei bedarf zeige ich auch gerne noch mehr Pflanzen - Allerdings sind es überwiegend Dyckia die ich Pflege und vermehre!


    Liebe Grüsse und schönes Wochenende!


    Luca

  • Hey Luca, spannender Bericht. Mit Dyckia, Hechtia und Deuterocohnia hatte ich bisher nicht viel zu tun, hauptsächlich Tillandsia, Wallisia, Vriesa und mittlerweile auch Aechmea und Fosterella. Da ist es immer sehr lehrreich, von anderen Gattungen dieser wunderschönen Familie Berichte zu lesen und Bilder zu sehen. Gerne mehr davon!

    Zumal ich selbst lieber aufbinde statt zu topfen und daher wenig mit bodenlebenden Bromelien arbeite. Aber auch da gibt es gerade wieder eine kleine Verschiebung.

    Vorsicht: ich habe eine Trichose!

  • Zumal ich selbst lieber aufbinde statt zu topfen und daher wenig mit bodenlebenden Bromelien arbeite

    ...Und ich Topfe lieber anstatt aufzubinden ^^ Abseits von Tillandsia usenoides gibts bei mir tatsächlich momentan nur die klassischen Xerophyten. Wobei ich aus Platzgründen zumindest über ein paar Tillandsien nachdenke. Spannend ist, dass deine Fosterella zumindest mit der Dyckia Clade von allen Bromelien am nächsten verwandt ist! Da könnte ich mir (Allein aus Bestäubungs-Versuchen) durchaus vorstellen mal die ein oder andere Pflanze bei mir aufzunehmen!

  • Allemal ein spannendes, vielfältiges Gebiet - aber man kann einfach nicht alles haben.

    Einige von denen sind auch durchaus zumindest etwas sukkulent.

    "Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

  • Die Fosterella habe ich selbst erst im Herbst bekommen, ohne groß Grünzeug dran. Da muss ich dieses Jahr mal schauen, wie die sich entwickeln. Aber Knospen sind einige, also wird das was, wenn denn der Frühling endlich mal kommen will.


    Ja, die Familie der Bromelien ist schon spannend. Allein die Bandbreite der Größen ist schon beachtlich, von gerade ein paar Millimeter groß zu Pflanzen, die mit Blütenständen über 10m hoch wachsen. Wobei das bei dem Verbreitungsgebiet ja auch wenig erstaunt.

    Vorsicht: ich habe eine Trichose!

  • Falls jemand eine Ananas ananasoides in Kultur hat: Ich wäre nicht abgeneigt...! Bei dem Namen... Und leicht sukkulent ist sie auch noch dazu! :thumbup:

    "Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

  • Bei mir stehen zwei oder drei Puya-Arten, die kommen mit der Kakteenkultur recht gut zurecht, sie verlieren im Winter zwar etliche Blätter, holen das aber schnell wieder auf. Allerdings werden sie sparrig und man verhakt sich in den Blättern.


    Spannend finde ich die drei Arten der Gattung Neoglaziovia, weil die wie Sansevierias aussehen, aber die sind anscheinend hier nicht erhältlich.

    LG Helli

  • Von der Gattung habe ich in Europa tatsächlich noch nichts gesehen. Möglicherweise hat man über die Australier da eine Chance an die Pflanzen ranzukommen.

    Vorsicht: ich habe eine Trichose!

  • Puya-Arten

    Ja, Puya hat eigentlich keine Probleme in der Kultur, die meisten kommen ja aus Höhenlagen, da gibt es auch mehr oder weniger starke Fröste in der Nacht. Hechtia ist aber eigentlich auch sehr robust und generell kommen die ganze Xerophytischen Bromelien eigentlich ohne Extra-Wünsche gut aus!


    Von Neoglaziovia habe ich hier in Europa auch noch nichts gesehen, aber abseits der gängigen Tillandsien ist die Verfügbarkeit der Bromeien, die man wie unsere restlichen Pflanzen kultivieren kann leider ohnehin recht Mau. Irgendwo macht das die Suche aber auch interessant ;)



    Gerne mehr davon!


    Und hier mal ein paar Dyckias, die ich gestern (ohne große Verletzungen) ins Foto-Studio bringen konnte:


    Dyckia brachyphylla


    Dyckia velascana


    Dyckia cv. "Gray Ops"


    Wer weiß, vielleicht stecke ich hier ja doch noch jemanden mit dem Bromellen-Fieber an! Besonders Liebhaber von Aloe und Agaven sind hier gefährdet!


    Liebe Grüsse

    Luca

  • Wer weiß, vielleicht stecke ich hier ja doch noch jemanden mit dem Bromellen-Fieber an! Besonders Liebhaber von Aloe und Agaven sind hier gefährdet!

    Da ist die Grundlage zu Rosetten schon mal gelegt 8o

    Von den Bromelien hat es mich auch schnell zu Yuccas gebracht.

    Vorsicht: ich habe eine Trichose!