Aloen - Krankheiten und Schäden

Guten Tag Gast. Schön, dass Sie mal hereinschauen! Einen angenehmen Aufenthalt wünscht das "Sukkulentenforum"-Team.
  • Hallo zusammen,


    wer sich intensiver mit Aloen befasst, dem begegnen leider auch eine ganze Reihe von Schadbildern. Hier im Forum tauchen ja einzelne Aloen (vor allem die verbreitete Aloe vera, aber auch Aloe juvenna, Aloe mitriformis, Aloe (Gonialoe) variegata) diesbezüglich in separaten Themen auf. Aus aktuellem Anlass :( , dachte ich, ein neues Thema könnte nützlich sein, um Probleme und hoffentlich auch deren Lösungen gebündelt zu sammeln.


    Regelmäßig im Herbst habe ich an meiner Aloe karasbergensis sich zunächst einrollende, dann teils absterbende Blätter festgestellt. So auch dieses Mal. Hatte ich bislang eine Pilzinfektion in Verdacht, so musste ich feststellen: Es sind Hitzeschäden.

    Aufmerksam geworden bin ich darauf durch den scharfen Geruch von austretendem Zellsaft; einzelne Blätter fingen an zu "schwitzen" und zeigten an einigen Stellen dunkle, streifige Verfärbungen.


    Jeweils auf der linken Blattseite ist ein dunklerer Streifen zu entdecken, an dem später das Gewebe einsinkt. Die teils winzigen runden dunkelgrünen Flecken sind austretender Zellsaft.

    Das ist insoweit erstaunlich, als Aloe karasbergensis bei mir ab Frühjahr auf der Terrasse steht und in der Natur in Namibia und Südafrika in den heißesten und trockensten Gegenden vorkommt - sie sollte also was aushalten.

    Offenbar war die Pflanze aber durch den regenreichen, sonnenarmen September verweichlicht und der tiefer stehenden, direkten Herbstsonne dann nicht mehr gewachsen. Anfang Oktober war es ja wieder recht mild und sonnig.

    Die Konsequenz: Auch im Herbst bei sonnigem Wetter schattieren. Aloe karasbergensis scheint mit ihren sehr dickfleischigen Blättern - insbesondere den jüngeren - ziemlich hitzeempfindlich zu sein.


    Leider sieht die Pflanze nun recht ramponiert aus. Das wird sich in den kommenden Tagen noch verstärken. Einziger Trost: Sie wird daran nicht eingehen - das Vegetationszentrum ist nicht in Mitleidenschaft gezogen.


    Grüße

    Ingo

  • Von der schwachen Oktobersonne... Erstaunlich! :huh:


    Eine Bündelung ist nicht verkehrt. Aloe vera würd ich jetzt mal als Extrathread bestehen lassen, da zu der Art ja regelmäßig Anfängerfragen kommen, aber bei allen anderen Aloe-Problemen wäre dieser Thread schon eine gute Adresse.

    "Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

  • ... dann mach ich mal mit einem weiteren Hitzeschaden weiter, denn leider hat es im Herbst auch ein paar Jungpflanzen erwischt. Ich habe sie während meines Urlaubes offenbar nicht geschützt genug aufgestellt.


    Ausgerechnet die Aloe ukambensis hat es seitlich gegrillt:



    Die tieferstehende Oktobersonne ist unter die Markise gewandert. Also auch hier ist im Herbst bei sonnigem Wetter über Mittag leichte Schattierung angesagt.


    Ich habe noch eine weitere Aloe ukambensis, die stand zwar "sonnentechnisch" günstiger, dafür hat sie sich was anderes "eingefangen"...



    Das sieht nach "Rost" aus, einer Pilzerkrankung. Die hässlichen Flecken sind im Herbst aufgetreten. Das Gewebe sinkt punktuell ein ("Dellen"). Ich beobachte das erstmal, die Flecken werden zumindest aktuell nicht mehr.

    Das scheint bei einigen Aloenarten häufiger vorzukommen. So ist im "Guide to the Aloes of South Africa" nachzulesen, dass "neglected and non-vigorous plants are particularly prone to this disease and some species, such as Aloe vera, are more sensitive than others." Wobei ich für mich eigentlich in Anspruch nehme, meine Pflanzen nicht zu vernachlässigen ;) , aber vielleicht hatte sie im Töpfchen mal zu wenig Wasser ... oder die kühle feuchte Herbstluft begünstigt derartige Erkrankungen.


    Grüße

    Ingo

  • Hallo zusammen,


    eine weitere unschöne Beobachtung musste ich bei einer im letzten Jahr ausgesäten Aloe burgersfortensis machen:


    Eigenartig verkrüppelte Blattenden. Tierische Schädlinge waren zumindest mit bloßem Auge nicht zu entdecken. Der benachbarte Sämling zeigt keine derartigen Schäden. Falls jemand eine Idee hat, was das für eine Ursache haben könnte? Ich habe in einer der letzten KuaS was über Gallmilbenbefall bei Agaven gelesen, die zu eigentümlichen Blattschädigungen führten.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Wenn´s die Blattspitzen betrifft, liegt immer der Verdacht von Wassermangel auf der Hand. Würde ich zumindest mal nicht ausschließen wollen.

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  • … der andere Sämling im Topf zeigt keine derartigen Blattschäden, obwohl er schwächer entwickelt ist. Aber vielleicht haben tatsächlich temporäre Wasserdefizite den größeren geschädigt. Die kleinen Töpfe mit dem rein mineralischen Substrat trocknen recht schnell aus. Ich beobachte das mal weiter, ggf. trenne ich die beiden.

  • Pure Theorie - mit eindeutig erkennbaren Schädlingen ist so einen Ursachenforschung immer deutlich einfacher, aber die wünscht man natürlich auch niemanden. ;) So bleibt wahrscheinlich leider nur Mutmaßung.

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  • Aloe karasbergensis scheint mit ihren sehr dickfleischigen Blättern - insbesondere den jüngeren - ziemlich hitzeempfindlich zu sein.

    In der Aloenmonographie von Reynolds (The Aloes of South Africa, 1950) ist bei Aloe karasbergensis Folgendes vermerkt: „If a leaf gets even a small bruise it immediately sloughs and in a few days becomes a soft jelly-like mass. This does not happen to a leaf cut off cleanly with a knife“. Seltsam. Offenbar sind die Pflanzen sehr empfindlich gegenüber Beschädigungen (insbesondere Quetschungen) der Blätter, die sich daraufhin in Matsch verwandeln. Die besondere Empfindlichkeit wird hier also bestätigt; allerdings gibt es bei mir kein Gelee, sondern die Blätter trocknen an den entsprechenden Stellen ein. Auch nicht hübsch.


    Na, so eine Mimose X/.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Da stellt sich natürlich auch immer die Frage über den evolutiven Sinn. So Pflanzen werden im Habitat sicher regelmäßig mal angeknabbert und dann gleich das ganze Blatt oder im Extremfall gleich die ganze Pflanze opfern? :/

    Sinn macht es vielleicht noch beim Befall mit ein paar Kleinschädlingen. Wenn die beginnende Lauspopulation anfängt zu saugen und dann das Blatt ratzfatz schlapp macht, bevor noch die erste Generation ihr Unwesen treiben kann und mobil wird, kann man schonmal ein Blatt dafür hergeben - bevor sie irgendwann auf allen Blättern sitzen. Was sinnvolleres fällt mir dazu spontan auch nicht ein.

    "Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

  • Hallo zusammen,


    irgendwie wollen meine Aloe kilifiensis - Zwerge nicht so richtig, sie ziehen relativ zeitig die älteren Blätter ein und das auch nicht typisch vom Blattende her sondern beginnend von der Basis bzw. Blattmitte. Sowas ist grundsätzlich verdächtig.

    Also musste mal nachgesehen werden, was sich unter der Erde so tut..



    So schlecht sieht die Pflanze auf den ersten Blick nicht aus.

    Das Wurzelwerk erwies sich als recht gut entwickelt, aaaber:



    Mist, Mist, Mist - beginnender Wurzellausbefall. Abpinseln mit Spiritus. Dann rein mit der Pflanze in das Careo (Acetamiprid)-Tauchbad (über Nacht). Anschließend auf Küchenkrepp antrocknen lassen.

    Neu getopft wird danach mit einem ordentlichen Zusatz von Kieselgur (hatte ich vorsorglich von Haage bereits gekauft), dem ja vorbeugende Kräfte gegen Wurzellausbefall nachgesagt werden.

    Das betrübliche daran ist, dass wohl weitere Pflanzen befallen sein könnten, die Pflanze stand ja mit vielen anderen in einer Wanne :cursing:.


    Leicht niedergeschlagene Grüße

    Ingo

  • Gut aufgepasst! :thumbup:

    Mistviecher... Ich drück die Daumen für eine rasche, erfolgreiche Bekämpfung!

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  • drück die Daumen für eine rasche, erfolgreiche Bekämpfung

    Danke, das kann ich gebrauchen. Denn: Die Aloe kilifiensis blieb nicht die einzige. Ich habe zunächst weitere, in unmittelbarer Nähe stehende Töpfchen untersucht und wurde bei einer Aloe morijensis und bei einer Aloe hereroensis leider fündig. Bei beiden sahen die Blätter teils nicht so richtig gesund aus - genaues beobachten schadet also nicht.


    In der besagten Wanne stand auch noch eine Aloe squarrosa. Sie hatte vor Monaten "draussen" noch einen Blütenansatz gebildet. Ich hatte sie dann reingeholt, in der Hoffnung, die Anthese beobachten zu können. Allerdings ist der Blütenansatz stecken geblieben, die Pflanze wirkte trotz Kunstlicht wie "eingefroren" im Wachstum. Nun habe ich mir das mal genauer angesehen - schon an einer Wurzel, die aus einem der Topf-Abzugslöcher rausragte, hingen "Sie" dann :( . Ich habe wohl das "Befalls-Epizentrum" gefunden.

    Als Sofortmaßnahme habe ich nach dem Austopfen der Pflanze die sichtbaren Wurzelläuse mit Spiritus abgepinselt. Das Gröbste ist damit erledigt:



    Danach ging es ins Insektizid-Tauchbad.


    Daraufhin habe ich alle noch nicht neu getopften Pflanzen in der Wanne sofort in Quarantäne genommen - sie müssen alle geprüft werden. Die Wanne wurde natürlich gegen eine neue ausgetauscht und die alte geschrubbt.


    Ein Zeug ... :cursing: .


    Beste Grüße

    Ingo

  • Bei der Aloe burgersfortensis mit den seltsamen Blattdeformationen habe ich dann auch sorgenvoll nachgesehen (sie stand nicht in der besagten Wanne):




    Die Wurzeln waren hier aber ohne Befall, uff.


    Dann mal rein in die neuen Töpfe. Es war Zeit, die beiden zu trennen. Auch die ramponierte soll weiterwachsen, der Neuaustrieb sieht ja OK aus.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Schrubben UND Desinfizieren. Am besten auch noch Beschwörungsformeln sprechen und in Vollmondnächten Katzen auf'm Friedhof opfern - in so einem Fall ist alles erlaubt, was helfen könnte! Toi! Toi! Toi!

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  • UND Desinfizieren

    … jepp, ich hab die Wanne mit brühheißem Wasser und Spülmittel eine halbe Stunde stehen lassen, geschrubbt, mehrfach nachgespült mit heißem Wasser (was die Leitung so hergibt, also etwa 60o C). Aber die armen Katzen lasse ich in Frieden ;).

    Und dann gibt es ordentlich Kieselgur in das Substrat. Falls es außerdem noch Tipps gibt, bitte gerne….


    Beste Grüße

    Ingo

  • Brühheißes Wasser klingt sehr gut. Das überlebt auch kein Läuseei. Gut für die Katzen! :thumbup:

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  • Hallo zusammen,


    auch eine Aloe rauhii mit auffälligen Veränderungen an den Blättern (teils schwarze, abgestorbene Blattränder, krummer Wuchs einzelner Blätter - siehe rote Markierungen im Foto) erwies sich leider als deutlich befallen.


    Da stehen jetzt doch umfangreichere Desinfektions- und Umtopfmaßnahmen im gesamten Bestand an. Nachschub an Kieselgur ist bereits geordert.

    Das sind eben die Schattenseiten des Hobbys :( . Immerhin hatte die Aloe trotz allem sogar noch vor kurzem geblüht - ganz schön zäh.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Danke, Markus

    ich habe den Eindruck, dass Aloen mit ihren dicken, drahtigen Wurzeln für Wurzelläuse besonders lecker zu sein scheinen. Bei meinen Aizoaceae hatte ich dieses Problem nicht. Auch die Agaven und Crassulaceen wurden bis dato in Ruhe gelassen.


    Beste Grüße

    Ingo