Euphorbia begardii / E. primulifolia var. begardii / E. subapoda / E. quartzticola

Guten Morgen Gast. Schön, dass Sie mal hereinschauen! Einen angenehmen Aufenthalt wünscht das "Sukkulentenforum"-Team.
  • Hallo,


    um es interessierten Leuten etwas einfacher zu machen, möchte ich hier mal ein neues Thema aufmachen. Es geht um die Pflanze die landläufig als E. subapoda bekannt ist. Im Titel wird schon die komplizierte taxonomische Geschichte der Pflanze sichtbar. Ich hoffe Norberto kann m ich hier mit Infos unterstützen, da mir nicht alle Artikel zu den jeweiligen Umbenennungen vorliegen.


    E. subapoda wird im Sukkulentenlexikon von Eggli (2002) als Synonym zu E. primulifolia var. primulifolia gestellt. E. subapoda wurde 1887 durch Henri Ernest Baillon erstbeschrieben.


    ... wird fortgesetzt

    grüsse
    michael

  • Euphorbia primulifolia var. begardii wurde 1984 von Georges Cremers beschrieben (in: Bulletin du Jardin Botanique National de Belgique. Brussels,54(3-4): 386, 1984) und ist das Basionym von Euphorbia begardii (Cremers) Haev. & Hett. Sprich Thomas Haevermans und

    Wilbert Leonard Anna Hetterscheid haben die Varietät umkombiniert.


    Unklar ist mir der Schritt von E. subapoda hin zu Euphorbia primulifolia var. begardii, mein französisch reicht da wohl nicht ganz aus.


    Nützliche Links zu sow etwas sind immer:

    https://www.ipni.org


    Weshalb hole ich soweit aus. Ich hab 2 dieser Pflanzen letztes Jahr (2022) auf der ELK erworben.



    Sie stehen seit einiger Zeit trocken und treiben munter immer wieder Blütenstände aus. Laut dem ehemaligen Pflegekalender von Specks sollen die Pflanzen nicht ganz trocken überwintert werden. Demnach besprühe ich sie regelmäßig.


    Heute habe ich nun wieder neue Blütenstände entdeckt und die rechte Pflanze aus obigem Foto treibt weibliche Blüten und die linke männliche. Von daher hab ich mal eine Bestäubung probiert, mal schauen ob es geklappt hat.


    grüsse
    michael

  • Hallo Michael,


    Deine E. begardii-Pflanzen sehen toll aus. Glückwunsch zur Blüte. Meine Pflanze trennt sich momentan von den letzten beiden Blättern. Mit Blüten erfreut sich mich gegenwärtig nicht, was auch nicht verwunderlich ist, weil sie diese in der Regel zu Beginn der neuen Wachstumsphase – noch vor den neuen Blättern – bildet.


    Deine Nachfrage hat mich ins Schwitzen gebracht.

    Zwei Fragen werde ich nachgehen:

    Warum ist E. subapoda ein Synonym von E. primulifolia var. primulifolia?

    Und, aus welchem Grund wurden und werden die von Dir erworbenen E. begardii-Pflanzen unter dem Namen E. subapoda gehandelt.


    Zur ersten Frage: die kurze, in Latein verfasste, Beschreibung von Baillon basiert auf dem Material, welches der Entdecker der Pflanze, der Geograph A. Grandidier, überbrachte. Der vorliegende Holotypus zeigt Blätter an Triebspitzen und die Cyathien. Der Wurzelbereich wurde nicht dokumentiert. Die Ortsangabe Ambatomenaloha bietet Raum für Spekulationen, da der Ortsname in Madagaskar nicht nur einmal vorkommt.


    Die Erstbeschreibung von E. primulifolia Baker ist auch sehr kurz gehalten. W. Rauh merkt dazu in der KuaS 1961 (Bemerkenswerte Sukkulente aus Madagaskar, 6. Euphorbia primulaefolia Baker…) an: „Nach DENIS (1921) handelt es sich um eine polymorphe, je nach Standortsbedingungen recht variable Art, die, wenn auch recht unvollständig, zuerst von BAKER (1881) beschrieben worden ist.


    Denis hat sich 1921 in dem Buch „Les Euphorbiees des Iles Australis“, S. 66-69, dem Thema E. primulifolia ausführlich gewidmet. Er vertrat dort die Lumper-Position, dass eine ganze Reihe madagassischer Geophyten (laut Castillon und Castillon 2016: E. primulifolia, E. moratii, E. cremersii, E. quartzticola) als regionale Varianten einer Art (von E. primulifolia) anzusehen sind. Durch Denis wurde E. subapoda zum Synonym von E. primulifolia. Die Unterschiede von E. subapoda und E. primulifolia waren Denis sehr wohl bewußt. Ich liefere eine Übersetzung des für mich entscheidenden Satzes dazu. Denis (S. 69): „Angesichts des Polymorphismus von Euphorbia primulifolia muss in Betracht gezogen werden, dass Euphorbia subapoda eine einfache Form dieser Art ist.“ Über den Caudex von E. subapoda, und ob überhaupt einer vorhanden ist, konnte Denis nur Spekulationen anstellen. Das Vorhandensein von kleinen, stachelartigen Borsten interpretierte Denis als nicht entscheidend für eine Unterscheidung von E. primulifolia von E. subapoda. Auf dem folgenden Foto zeige ich jene Borsten, die meine E. quartziticola (alias E. subapoda) zieren.



    Den Synonymstatus zementierte G. Cremers 1984 in dem Artikel „Les euphorbes géophytes de Madagascar“. Er unterschied dort erstmals zwei Varianten von E. primulifolia: E. primulifolia var. primulifolia und E. primulifolia var. begardii.
    E. subapoda wurde von ihm als Synonym von E. primulifolia var. primulifolia festgelegt.


    Den Namen des Holotypus von E. subapoda emendierte Haevermans. Seine Neubestimmung, 2002: Euphorbia primulifolia Baker. In dem Artikel: “Chaos revisited: nomenclature and typification of the Malagasy endemic Euphorbia subgenus Lacanthis”, der 2009 erschien, wurde E. subapoda als Synonym von Euphorbia primulifolia var. primulifolia bestätigt, mit dem Zusatz: nach Denis 1921.


    Zwischenzeitlich, 1946, beschrieb Leandri wissenschaftlich die neue Art, Euphorbia quartziticola.


    In dem Artikel “A propos de quelques noms oubliés dans le genre Euphorbia L. (Euphorbiaceae) à Madagascar“, der 2016 erschien, konnten Jean-Philippe Castillon & Jean-Bernard Castillon den Nachweis erbringen, daß E. quartziticola bereits von Baillon wissenschaftlich beschrieben wurde, und der korrekte Name für diese Pflanze E. subapoda lauten muss. Der Fundort von E. subapoda Baillon, Ambatomenloha, ist ein Berggebiet im Itremo-Massiv, wo E. primulifolia Baker nicht vorkommt. In ihrem Artikel gehen sie auch detailliert auf Denis 1921 ein und liefern notwendige Informationen. E. subapoda kann nicht mehr als Synonym für E. primulifolia var. primulifolia gelten, worauf die Autoren hinweisen.


    Warum der Name E. subapoda oft als Synonym für Euphorbia begardii (früher: E. primulifolia var. begardii) verwendet wurde und wird, darüber kann ich nur spekulieren. Der Name wurde zunächst wohl von verschiedenen Händlern verwendet, weil der Name E. primulifolia var. begardii nicht so bekannt war, oder auch weil er nicht freudig angenommen wurde, da sich E. primulifolia und E. begardii stark voneinander unterscheiden. E. begardii hat einen sehr charakteristischen Caudex und andere Blüten als E. primulifolia. Für die Händler und Pflanzenfreunde stand wohl fest, dass diese Pflanzen eigenständige Arten sind, und keine Varianten. Das von Denis eingeführte Synonym für E. primulifolia, E. subapoda, war „frei“ und erlaubte den Händlern das Produkt „genauer“ zu bezeichnen.


    Der Name Euphorbia begardii ist noch recht jung. Übrigens machen Heavermans und Hetterscheid, die E. begardii 2021 als Art etablierten, in ihrer Publikation darauf aufmerksam, daß in vorläufigen Studien Unterschiede der DNA-Sequenzen von E. primulifolia und E. begardii festgestellt wurden, die nicht für eine nahe Verwandtschaft beider Pflanzen sprechen.



    Gruß,
    Norbert

  • Danke, Norbert!

    Solche Artikel/ Beiträge lese ich sehr gern. Massig Infos, übersichtlich und strukturiert aufbereitet.

  • Euphorbia begardii bildet zwar noch keine Blätter, dafür aber immer mehr Blüten. Foto Nr. 1 machte ich vor 10 Tagen, das Foto Nr. 2 entstand heute.


      


    Gruß,

    Norbert

  • Wer braucht da auch noch Blätter? :love:

    "Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

  • Euphorbia begardii bildete in diesem Jahr sehr spät Laub (Mitte Juli), wie einige andere madagassische Euphorbien meiner Sammlung auch.

    Das Bild entstand Anfang September.



    Gruß,

    Norbert

  • Die ersten Blüten bildete Euphorbia begardii Anfang April (Foto Nr.1). Das zweite Foto entstand drei Wochen später.


      


    Gruß,

    Norbert

  • Oh! Toll!

    Ihr kennt das sicherlich auch: Es gibt einige Arten, die mag man mehr als andere, für mich gehört diese zu denen, die ich mehr mag.


    Liebe Grüße

    vom TOM

  • Die folgenden Fotos sind drei Tage alt. Wie in den Jahren zuvor (siehe Beitrag 7) startet Euphorbia begardii blühend in die Saison. Meine Pflanze ist selbstfertil. Der Nachwuchs, den ich im vergangenen Jahr von ihr generierte, lebt noch. :S


      


    Gruß,

    Norbert