Aloen - Vermehrung und Anzucht

Guten Abend Gast. Schön, dass Sie mal hereinschauen! Einen angenehmen Aufenthalt wünscht das "Sukkulentenforum"-Team.
  • Hallo zusammen,


    erfahrungsgemäß ist das Angebot an Aloe-Pflanzen selbst bei den Sukkulentengärtnereien eher überschaubar. So landet man dann auch bei dem Versuch, Aloen aus Samen zu ziehen. In diesem Thread sollen nun die Erfahrungen mit der Aussaat und der Anzucht gebündelt ausgetauscht werden können. Bislang waren sie ja in den einzelnen Aloen-Jahrgangsthreads versteckt.


    Im letzten Jahr hatte ich erstmals selbst gewonnene Samen von der kleinen madagassischen Aloe descoingsii ausgesät (31.07.2023). Die Keimrate war mit 10 von 11 ausgesprochen gut. Alle sind heute noch da. Aloen-Samen muss möglichst frisch sein, um hohe Keimraten zu erzielen. Bei gekauften Samenportionen ist die Keimrate nach meinen bisherigen Erfahrungen deutlich geringer. Da Aloe descoingsii an den Naturstandorten auf kalkhaltigen Substraten wächst, habe ich dem Pflanzsubstrat entsprechenden Sand beigemischt. Derzeit halte ich sie unter LED-Kunstlicht (30W, Vollspektrum, 12 h Beleuchtungsdauer) bei Temperaturen knapp unter 20oC.



    Dieser Winzling hat gerade mal 10 mm Durchmesser, zeigt aber schon die typischen Merkmale der Art: die weißen Pusteln und weiche Randzähnchen.


    Beste Grüße

    Ingo

  • (…) Da Aloe descoingsii an den Naturstandorten auf kalkhaltigen Substraten wächst, habe ich dem Pflanzsubstrat entsprechenden Sand beigemischt.


    ….Derzeit halte ich sie unter LED-Kunstlicht (30W, Vollspektrum, 12 h Beleuchtungsdauer) bei Temperaturen knapp unter 20oC.


    (…)

    Hallo Ingo,


    Klingt spannend! Kannst Du sagen, was genau das für ein kalkhaltiger Sand ist?


    Temperaturen knapp unter 20 C ist für eine Überwinterung bestimmt nicht falsch. Mich erstaunt dabei aber etwas die Länge der LED-Beleuchtung, mit 12 h


    In den tropischen Regionen Madagaskars bleibt die Tageslänge übers Jahr gesehen doch in etwa konstant, wobei dann auch die Temperaturen höher liegen müssten, oder? Es sei denn, die Regenzeit vertreibt die Wärme und drückt die Temperaturen nach unten.


    In den Subtropen dagegen gehen Sonnenscheindauer und Temperaturen im Südwinter eindeutig zurück.


    Liebe Grüße

    PACHYPOD

  • Hallo pachypod,

    was genau das für ein kalkhaltiger Sand

    Tja, ich habe in meiner Anfangszeit als Sukkulentenfreund mit einer noch kompakten Sammlung mich öfter mal in Gartencentern (z. B. Dehner oder Kölle) nach kleineren Substrat-Packungen umgesehen und bin im Aquarienbedarf fündig geworden. Ich hatte dort mal vor etlichen Jahren ein Säckchen Aquariensand 1 bis 2 mm Körnung (Firma Rosenlöcher) gekauft, weil mir die Körnung und das Aussehen gefielen. Beim Säuretest (Essigsäure) hat das dann teils geschäumt, was ein Indiz für Kalk im Substrat ist. Ich habe das Zeug danach auf die Seite gelegt und verwende es seither nur sporadisch als Zuschlag für kalkliebende Aloen - insbesondere Aussaaten.

    Länge der LED-Beleuchtung, mit 12 h

    Würdest Du kürzer beleuchten? Ich gebe zu, dass ich das einfach nach Gefühl so gewählt habe, zumal dort nicht nur madagassische, sondern auch südafrikanische Aussaaten stehen.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Hallo Ingo,

    Danke für die Info. Ich habe mich öfter schon gefragt, welche Zusätze im Substrat für meine eher kalkliebenden Euphorbien / Aloen verwendet werden könnten. Sand in gröberer Körnung von der Fa. Rosenlöcher ist möglicherweise nicht mehr beschaffbar. Ich werde diesbezüglich mal ein wenig recherchieren. Aber wie Du schon schreibst, es geht wahrscheinlich nur über Eigenversuche. Man kann den PH Wert ja auch selber ermitteln. Ich würde in diesem Fall das Durchlaufwasser mit meinem PH Messgerät prüfen….

    Mit der Beleuchtungsdauer ist dass eher so ein Gefühl. Bei der Überwinterung, also einer Art Ruhezeitraum für die Pflanzen, würde ich vielleicht eher auf 8-10 Stunden gehen. Man will ja in dieser Zeit nicht unbedingt das Wachstum anregen, deshalb ja auch nur das sehr eingeschränkte Wässern. Auf der anderen Seite ist die Sonnenscheindauer in den Tropen wahrscheinlich im Winter nicht so sehr unterschiedlich, wie im Sommer… Bin da ein wenig überfragt, gebe aber meinen Euphorbien und Aloen in der Winterruhe kein zusätzliches Kunstlicht. Sie stehen bei uns aber alle an den Südfenstern unseres Hauses…

    Beste Grüße

    PACHYPOD

  • Mich lässt das Thema „Kalkzugabe“ / „kalkhaltige Substrate“ / kalkhaltige Sande nicht mehr los und ich möchte für einige meiner kalkliebenden Pflanzen die Konditionen etwas optimieren. So habe ich bei einem bekannten Kakteenanbieter gelesen, dass er bei bestimmten Arten die Zusammensetzung des Bodenmaterial wie folgt beschreibt: „Substr: Humus / harter Kalk“.

    Habt Ihr eine Ahnung, was mit „hartem Kalk“ als Bestandteil des gemischten Substrats gemeint ist? Handelt es sich um Magnesiumkalk / kohlensauren Kalk / / … etc. aus dem Baumarkt? Oder ggfs. Kalziumcarbonat / Kalziumsande … etc. ? Habt Ihr in dieser Hinsicht Erfahrungen gemacht bei der Pflege von kalkliebenden Euphorbien, Aloen etc. ?

    Welches Material hat sich aus Eurer Sicht dabei gut bewährt?

    Danke im Voraus für Eure Hinweise.

    Gruß

    Pachypod

  • Hallo Pachypod,

    hartem Kalk

    .. das sagt mir leider nichts. Ich muss auch gestehen, dass ich an das Thema recht empirisch herangehe. Für meine „kalkliebenden“ Aussaaten und die kleinen Jungpflanzen verwende ich o.g. Sand als Zuschlag nach Gefühl. Für die größeren verwende ich selbstgesammelten Flusssand / -feinkies als Zuschlagssubstrat. Hier im Voralpenland gibt es ein paar Stellen, wo Material in entsprechender Körnung angespült wird. Ich denke, dass ein Teil schlichtes Calciumcarbonat ist. Meine Erfahrungen damit währen zwar noch nicht lange - ich finde aber, dass meine Aloe hereroensis-Jungpflanzen besser gedeihen als zuvor in kalkfreiem Substrat. In van Wyk & Smith, 2014, Guide to the Aloes of South Africa, steht „it may be grown in well-drained, alkaline soil“.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Guten Abend Ingo,

    interessiert lese ich Deine Erfahrungen mit Sand als Zuschlag zum Substrat.

    Was mich sehr erstaunt, nie las oder lernte ich, dass Sand alkalisch ist.

    Bestenfalls Beimengungen im Sand könnten zu einem basischen ph Wert führen, oder?


    Beste Grüße

    K.W.


    ...

  • Sand und Sandstein bestehen meist aus Siliciumdioxid. Das ist ein eher saures Substrat. Kalk dagegen, Calciumcarbonat, ist alkalisch.

  • Hallo zusammen,


    dieser von mir genutzte, ominöse Aquariensand enthält wohl Kalkzusatz in Form von Muschelbröseln. Und ja, das obige Zitat von den „alkaline soils“ bei Aloe hereroensis bedeutet nicht automatisch auch kalkhaltig. Aber auf einem Foto von Aloe hereroensis kam es mir so vor, als ob sie zwischen Kalkbrocken wuchs.

    Wie dem auch sei, es ist ja nur ein Versuch - bislang bin ich damit recht zufrieden.


    Beste Grüße

    Ingo

  • bislang bin ich damit recht zufrieden.

    das ist ja die Hauptsache! :thumbup:

    Vielen Dank für Deine Antwort Ingo,

    ich denke - wie schon angedeutet - dass es die Zusätze / Verunreinigungen im "Sand"

    sind die den ph-Wert nach unten oder oben bringen.

    In meinem alten Chemiebuch las ich, dass Siliciumdioxid nur schwer in Wasser löslich ist (< 10mg je Liter H²O).

    Beim Calciumcarbonat ist es wohl eine Zehnerpotenz mehr.

    Somit können die Pflanzen aus dem reinen Sand wohl kaum Nutzen ziehen.


    Weiterhin viel Erfolg,


    beste Grüße

    K.W.


    ...

  • …. Für meine „kalkliebenden“ Aussaaten … Hier im Voralpenland gibt es ein paar Stellen, wo Material in entsprechender Körnung angespült wird. Ich denke, dass ein Teil schlichtes Calciumcarbonat ist. Meine Erfahrungen damit währen zwar noch nicht lange - ich finde aber, dass meine Aloe hereroensis-Jungpflanzen besser gedeihen als zuvor in kalkfreiem Substrat. In van Wyk & Smith, 2014, Guide to the Aloes of South Africa, steht „it may be grown in well-drained, alkaline soil“.


    Beste Grüße

    Ingo

    Hallo Ingo,

    Dein Hinweis hat mir etwas geholfen bei der Entscheidung, Jura Splitt (Calciumcarbonat als Kalksteinkies) in der Körnung 2-8 mm zu einem zunächst kleineren Anteil, vielleicht 10%, im Substrat zu verwenden. Mal sehen, wie die Wirkung ist. Update folgt…

    Gruß

    Pachypod

  • Hallo zusammen,

    vielen Dank für die Beiträge zum Thema Kalk. Ich habe mal mein altes Botanik-Buch, den ehrwürdigen Strasburger rausgekramt (33. Auflage von 1991 - lange ist es her ;) ). Im Pflanzenreich gibt es nicht selten kalkliebende und kalkmeidende Vertreter, die sich stark unterscheiden im Hinblick auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Calcium (insb. dem Calcium-Ion Ca²+) und dem Hydrogencarbonat (HCO3-) sowie dem in Kalkböden relativ hohen pH-Wert.

    Wenn man also aus der Artbeschreibung erfährt, dass die Art auf Kalk wächst, dann ist es sicher nicht ganz verkehrt, in der Substratmischung darauf einzugehen. Manche Art trägt ihre Präferenz sogar im Namen: z.B. Aloe calcairophila - die kalkliebende ;) .


    Mit Kalk dagegen nichts am "Hut", äh Blatt hat Aloe zubb aus dem Sudan, eine stammlose Aloe aus dem Verwandtschaftskreis von Aloe sinkatana. Meine Aussaat aus der DKG-Samenverteilung von letztem Jahr wollte kaum keimen, von 10 Samen hatte es nur einer geschafft und der sieht überhaupt nicht gut aus:

    Kümmerliches Wachstum, vorzeitig schrumpfende und einsinkende, fleckige Blätter. Also: raus aus dem Topf und nachsehen, was unter der Erdoberfläche los ist.


    Das Wurzelwerk ist dürftig. Es sind aber keine Schädlinge zu erkennen.


    Aber: Das Substrat war wohl dauerhaft zu feucht, schlecht durchlüftet, wegen zu feiner Körnung (zu hoher Sandanteil).


    Na dann, in gröberes Substrat gesetzt, in der Hoffnung, das das hilft.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Wer so nen schönen Namen hat, hat auch gedrückte Daumen verdient! :thumbup:

    "Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

  • Hallo zusammen, ich habe ähnliche Erfahrungen mit Aloe plicatilis gemacht. Die Samen habe ich in Caudexsubstrat erfolgreich zum Keimen gebracht. Anschliessend musste ich leider feststellen, dass sie rech "instabil" wachsen. Sprich, sie sehen gesund aus und schieben auch Blätter nach, wackeln aber ordentlich bei der kleinsten Bewegung und/oder geraten in "schieflage". 2 etwas größere habe ich dann in Lechuza-Pon gepflanzt. Die anderen kleinen verbeiben in dem Caudex Substrat. Alle haben allerdings das Probem, dass das Wurzelwerk sich nicht besonders gut ausbildet. Ich habe jetzt erst mal ein wenig Rootmax ins Substrat gemischt und schaue mal ob das etwas bringt. Die Pflanzen im Pon brauchen auch unglaublich schnell Wasser. Ich tauche den Topf täglich in Wasser, da sonst die Blätter schrumpelig werden. Ich glaube, das liegt ua. auch daran, dass die Wurzeln nicht stark verzweigt sind.

  • Hallo Marco,


    Aloe (oder bei einigen Systematikern auch in eine eigene Gattung namens Kumara abgetrennt) plicatilis ist schon was Kurioses unter den Aloen mit ihren Blattfächern und wird noch dazu ein zünftiger Baum. In der Natur ist sie beschränkt auf die Western Cape Mountains in Südafrika, ein echter Endemit also. Ich bin gespannt auf Deine weiteren Berichte. Die Pflanze ist wohl ein Winterwachser. Ich meine auch, mich erinnern zu können, dass sie bei recht kühlen 10oC keimen soll (so zumindest steht das bei Köhres in der Samenliste).


    Ich habe bei meinen Aloe-Aussaaten das Problem, dass die Keimlinge mit ihren Wurzeln manchmal nicht so recht ins Substrat finden und sich dann rausschieben - ein Problem der richtigen Korngröße. Aloen haben ja recht dicke, drahtartige Wurzeln. Lechuza-pon ist meines Wissens nach mit Düngerzusatz versehen - vielleicht zu viel, so dass die Sämlinge "bequem" werden und deshalb nur ein geringes Wurzelwerk ausbilden. Aussaatsubstrate sind ja in der Regel recht nährstoffarm, damit die Keimlinge ihre Wurzeln zunächst auf längere Reisen schicken müssen.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Hallo zusammen,


    die bei der letztjährigen DKG-Samenverteilung erstandene Aloe lateritia var. graminicola begannen, sich zu drängeln und gegenseitig aus dem Substrat rauszuschieben:


    Also mussten sie raus:


    Das Wurzelwerk bei den größeren war OK.


    Neu getopft in 7er-Töpfchen, mit etwas Lehm im Substrat. Sie mag es laut Carter et al. 2011 nicht ganz so steinig und kommt in Kenia auf tonhaltigen Böden im Grasland vor, daher die Varietäts-Bezeichnung. Sie gehört zu den gefleckten, stammlosen Arten, Blattlängen bis 40 cm - also nicht gerade klein bleibend :S .


    Beste Grüße

    Ingo

  • Ingo


    --> Zu dem Wachstum/Keimung kann ich nur sagen, dass die Samen mit 70-80% auch bei 24-27C keimen. Beim Wachstum sieht es zZ ähnlich aus. Ich kultiviere sie durch bei ca 23-25 C und 16 Std LED. Sie schieben ständig neue Blätter nach und gedeihen ganz gut. Ich halte euch aber auf dem laufenden ;)

    Zumindest eine der beiden plicatilis in den großen Töpfen wird schon etwas stabiler :)