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Samstag, 28. September 2019, 13:16

Gratulation Herr Kist!!
Sensationeller Nagelfleck!!
Ich bin sowieso der Meinung, es gehört viel mehr "Flora & Fauna" in die KuaS! :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
Sukkulentenfieber ist eine schwere Krankheit! Wer sich infiziert hat, ist nicht zu retten!
Hauptsache, der frühe Vogel säuft nicht meinen Kaffee!!
Tom

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Samstag, 28. September 2019, 18:41

Moin Tom,

ich danke dir - so eine Rückmeldung freut mich natürlich immer sehr...!

Allerdings muss an dieser Stelle auch der Artikel von Michael lobend erwähnt werden. Solche netten Artvorstellungen inkl. Kulturerfahrungen mag ich generell sehr. :thumbup:

Und der Chile-Reisebericht gleich zu Anfang ist sowieso genial...

Sehr zu meiner großen Verwunderung fand ich vorgestern schon die Oktober-KuaS im Briefkasten. 8o



Ich bin sowieso der Meinung, es gehört viel mehr "Flora & Fauna" in die KuaS!
Keine Sorge, diesbezüglich hab ich noch mehr auf Lager... Wird man so nach und nach in der KuaS finden. ;)

Wobei mein letztes Werk leider abgelehnt wurde. Zuviel Käfer und zuwenig KuaS. Wobei ich das aber auch nachvollziehen kann... Hab ich mir beim Schreiben auch schon gedacht und es kamen mir auch zwei, drei Ideen, wie ich den Sukkulentenbezug etwas ausbauen könnte, aber das wäre alles etwas gekünstelt geworden und man hat ja schließlich auch einen gewissen Anspruch. Aktuell weiß ich aber leider keine andere Publikation, welche damit vielleicht was anfangen könnte. Bevor nun alles für die Katz war, kann ich den Artikel ja zumindest hier mal Erstveröffentlichen:


Cleistocactus schließt Verbreitungslücke seltenen Käfers


Als ich vor etlichen Jahren anfing, mich mit größeren heimischen Käfern zu beschäftigen, stieß ich auch auf den wunderschönen, 2,5 bis 3,6 cm großen Walker (Polyphylla fullo) aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae), dem einzigen Vertreter seiner Gattung in Mitteleuropa. Das Verbreitungsgebiet des Walkers reicht zwar von Nordafrika bis in den Süden Schwedens, mit einer östlichen Verbreitungsgrenze auf dem Balkan und am Kaukasus, doch ist er fast überall wo er vorkommt sehr selten (SAGE 2012). In Deutschland ist er mittlerweile auf der Roten Liste 2 als stark gefährdet vertreten und durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Wer ihn hier finden will, hat noch am ehesten in den Heide- und Dünenlandschaften Nordostdeutschlands Erfolg, da er sandige Lebensräume wie etwa Ränder sonniger Kiefernwälder, Weinberge oder eben Dünen besiedelt. Er ernährt sich überwiegend von Kiefernnadeln (KRETZSCHMAR 2000), ohne dabei wirtschaftliche Schäden anzurichten.

Mein Gedankengang war, dass es den Walker doch theoretisch auch hier bei mir im Regnitztal (Landkreis Forchheim) geben könnte: Puren Sand kenne ich von der Gartenarbeit zur Genüge und Kiefernwälder haben wir auch in großer Zahl. Die wenigen Tage des kurzen, erwachsenen Käferlebens finden im Juni und Juli statt, wo er primär zwischen 21 und 22 Uhr schwärmt (SAGE 2012). Somit verbrachte ich zahlreiche sommerliche Abenddämmerungen einsam und allein an Waldrändern in der Hoffnung, dafür mit einem Walkerfund belohnt zu werden. Natürlich kann man das Glück nicht erzwingen und der Walker blieb mir leider verwehrt.

Eines sommerlichen Freitag-Mittags 2016 kam der Sohnemann mit dem Gerippe eines größeren Käfers von der Schule zurück. Meine Bestimmungsversuche führten mich eindeutig zu einem Blatthornkäfer, wo in dieser Größe hierzulande eigentlich nur der Walker übrig bleibt. Diese Käferreste haben wir dann per Foto auf www.kerbtier.de gemeldet, wo Käferfachleute mit wissenschaftlichem Hintergrund Verbreitungskarten, Phänogramme, etc. erstellen. Als Antwort kam, dass der Fund in dieser Form nicht sicher bestimmbar ist und der Walker durchaus im Bereich des Möglichen sei – allerdings ist er bisher aus meinem Messtischblatt nicht bekannt. Selbstverständlich könnten beispielsweise die Störche auf dem Schuldach den Käfer sonstwo aufgestöbert haben.

Klar, ein sicherer Nachweis ist dies nicht, aber die Spur wird heißer… Wie es der Zufall will, fand ich rund einen Monat später beim Kehren des Gehsteiges eine Käferflügeldecke, welche wirklich unverkennbar dem Walker zuzuordnen war. Dies bestätigten auch die Käferfachleute von kerbtier.de. Natürlich immer noch kein Nachweis der Verbreitung des Walkers im Landkreis Forchheim (der Wind etc. lassen grüßen…), aber für mich schon ein recht sicheres Indiz.

Ende Mai 2019 drehte ich eine Runde in einem Wald, welcher als Hirschkäfer-Habitat bekannt ist. Dort fragte mich auf einem einsamen Waldweg ein zufälliger Passant neugierig, was ich denn in meiner geschlossenen Hand halte. Durchaus seltsame Situation… Passiert mir so auch nicht alle Tage. Ich erwiderte beim Öffnen meiner Hand: „Nur ein paar Flügeldecken samt einem Geweih von Hirschkäfern.“ Erleichtert stellte der Passant fest, dass er doch nicht der einzige Verrückte sei, welcher durch heimische Wälder geistert, um dabei nach Käfern Ausschau zu halten. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Biologielehrer an der Schule meines Sohnes handelt, welcher ebenfalls ein großes Faible für die heimische Käferwelt hegt. Es gibt einfach Zufälle, die gibt es gar nicht! Natürlich folgte ein angeregtes Gespräch über Käfer und Co., wobei wir danach lose in Kontakt blieben.

Sonntag, 30.06.2019, Gartengießen: Ich dachte, ich sehe nicht richtig – sitzt da ein Walker unübersehbar im Garten! Pure Euphorie, das Adrenalin sprudelte… Von wegen Dämmerungen an sandigen Kiefernwaldrändern. Wenn man den Walker live und lebendig erleben will, muss man nur sonntags den Garten gießen. Natürlich hab ich sofort beim Junior Sturm geklingelt… Aber es kommt noch besser: 25.07.2019 – da turnt doch tatsächlich eine Walkerdame an der Blüte des Cleistocactus smaragdiflorus rum! Besser geht es nun gar nicht mehr! Bei einem weiteren Kontakt mit dem besagten Biologielehrer stellte sich zudem heraus, dass genau dieser in genau unserem Zeitfenster auch einen Walker, rund fünf Kilometer von uns entfernt (was auch etwa der Breite des hiesigen „Sandstreifens“ entspricht), gefunden hat. Ausgerechnet die Käferfreunde finden auch den seltenen Großkäfer. Es gibt einfach Zufälle, ach, das hatten wir ja eben schon.

Bisher lagen für den schwarzbraun-weiß marmorierten Käfer in Franken nur wenige Nachweise vor. Einzelfunde bei Kehlheim, Alzenau, Erlangen, Bamberg und ein bekanntes Vorkommen bei Nürnberg (SAGE 2012). Zwischen Bamberg und Erlangen klaffte mit Forchheim eine Lücke, welche nun, nicht zuletzt auch durch den Fund auf dem Cleistocactus, geschlossen werden konnte. Die sogenannte Sandachse Franken mit Binnendünen, entsprechenden Naturschutzgebieten, etc. erstreckt sich von Bamberg bis Weißenburg in Bayern und der Flusslauf der Regnitz lässt sich von nun an auch noch als „Walker-Achse“ mit einem geschlossenem Vorkommen bezeichnen.

Der deutsche Name Walker stammt übrigens vom Geräusch der Stridulation (spezielle Form der Lauterzeugung durch Reiben zweier gegeneinander beweglicher Körperteile) einer Kante des vorletzten Hinterleibsegmentes und einer Leiste am Hinterflügel der Käfer, welches an das Walken von Leder oder Stoffen erinnert (KEMPER 1959). Gut, persönlich kenne ich dieses Geräusch beim Walken nicht – aber ich weiß jetzt, wie es sich anhört, wenn der auch „Türkische Maikäfer“ genannte Walker striduliert. Fiepen? Quietschen? Pfeifen? Knarren? Ich wüsste nicht, wie man dieses Stridulationsgeräusch bezeichnen könnte. Es wird wohl so ähnlich klingen, wie die seltsamen Geräusche beim Walken von Leder. Übrigens wurde Polyphylla fullo schon von den alten Römern schlicht „Fullo“ genannt – so wie die Leder- und Stoffwalker. Der Dichter Petron schrieb in „Scena Trimalchionis“ den schönen Satz: „Balneus fullo est“ (Das Bad ist ein Walker), weil man ja nach dem Schwimmen auch oft etwas ausgelaugt ist.

Die Weibchen des Walkers legen ihre Eier im Sandboden ab und versterben kurz darauf. Die bis zu 8 cm großen Larven entwickeln sich drei bis vier Jahre lang im Boden und ernähren sich dabei überwiegend von Graswurzeln (SAGE 2012). Da das letzte gefundene Weibchen vom Cleistocactus kurz nach dem Fund tot am Boden lag, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ich nun auch noch Walker-Larven im Garten beherberge. Mal gucken, wann und wo sich der nächste Walker hier blicken lässt. Sehr gerne auch wieder auf oder zwischen meinen Kakteen.

Literatur:
KEMPER H. 1959: Die tierischen Schädlinge im Sprachgebrauch. Unter Mitarb. von Waltraut Kemper. Duncker & Humblot, Berlin. 230
KRETZSCHMAR E. 2000: Der neue Kosmos Tier- und Pflanzenführer. Unter Mitarb. von STICHMANN W., Hrsg. STICHMANN-MARNY U., Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
SAGE W. 2012: Mitt. Zool. Ges. Braunau, Bd. 10, Nr.3: 317 - 322

Vielleicht haben´s ja jetzt hier zumindest dann zwei, drei Leute gelesen. ;)
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


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Samstag, 28. September 2019, 18:46

Bevor nun alles für die Katz war, kann ich den Artikel ja zumindest hier mal Erstveröffentlichen:


Da kann ich nur sagen, besten Dank für diesen interessanten Artikel. :thumbup:

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Samstag, 28. September 2019, 19:42

vielleicht könnte man die Antworten in den (noch zu veröffentlichenden) Beitrag zur Oktober KuaS stellen!?
grüsse
michael

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Samstag, 28. September 2019, 20:00

Da ich die Oktober KuaS noch nicht gelesen habe, kann ich derzeit nicht beurteilen welche Antworten gemeint sind. Eventuell kann Matthias hier eingreifen.

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Samstag, 28. September 2019, 20:41

Da ich die Oktober KuaS noch nicht gelesen habe, kann ich derzeit nicht beurteilen welche Antworten gemeint sind.
Ab dem Kommentar von Tom heute. Würde auch absolut Sinn machen - sobald am 01.10. die Vorschau auf die Oktober-KuaS hier online ist, würde ich die heutigen Kommentare rüberziehen.
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


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Mittwoch, 2. Oktober 2019, 09:42

KuaS Oktober 2019

Das erwartet uns in der Ausgabe Oktober 2019 unserer Zeitschrift „Kakteen und andere Sukkulenten“:


Titelbild: Aeonium sedifolium (Foto: Wolfgang Borgmann)

„Auf Kakteensuche in Chile“ von FRANK DERER
Schneebedeckte Berge, Greifvögel, die ihren Horst in Kakteengruppen bauen, Kirchenbänke aus Kakteenholz dazu eine Landschaft mit beeindruckendem Sukkulentenbestand – all das findet man im Norden Chiles. Aber auch hier rückt der Mensch immer weiter vor…

Cotyledon campanulata, eine kulturwürdige Art“ von MICHAEL WOLF
Wie wäre es mal ohne Dornen? Dieses Cotyledon besticht durch einen hübschen, langanhaltenden Blütenstand und einer Anspruchslosigkeit, welche diese Art sogar zu einem Kandidaten fürs Fensterbrett macht.

„Meine cristate Mammillaria lasiacantha subsp. egregia“ von HEIDI BUATHIER
Ein tierisches Unheil war schuld daran, dass sich diese Pflanze zu einem ganz besonderen Sammlungsexemplar entwickelte.

„Ein rastloses Leben auf ständiger Suche: der Nagelfleck“ von MATTHIAS KIST
Was so manchen Naturfotografen in den Wahnsinn treibt, kann durch eine Kakteensammlung frei Haus geboten werden. Ein Bericht über einen attraktiven Überraschungsbesuch, welchen man nur selten zu Gesicht bekommt.

Melocactus heimenii (Cactaceae) – ein interessanter Neufund aus Nordbahia, Brasilien“ von PIERRE J. BRAUN & BRUNO GONÇALVES BRITO
Trotz vieler Forschungsreisen während der letzten Jahrzehnte birgt der brasilianische Bundesstaat Bahia noch heute Überraschungen. In unzugänglichen Gebirgszügen kann nach wie vor Neues entdeckt werden. Eine Erstbeschreibung.

„Sukkulenter Hausschmuck in Santa Cruz de La Palma (Kanarische Inseln, Spanien)“ von THOMAS BRAND & WOLFGANG BORGMANN
Einst die Idee eines deutschen Auswanderers, setzt sich die sukkulente Fassadenbepflanzung in der Hauptstadt La Palmas immer mehr durch. Ein fotografischer Streifzug durch die Gassen.


Foto: Wolfgang Borgmann

Darüber hinaus gibt es wie in jeder Ausgabe Kurzportraits von sechs „Empfehlenswerten Kakteen und andere Sukkulenten“. Diesmal sind es Aloe albiflora, Echinocereus bonkerae subsp. apachensis, Sesamothamnus lugardii, Matucana haynei, Sedum x rubrotinctum sowie Frailea curvispina.

Auf den beiden Karteikarten werden Sansevieria parva und Sansevieria canaliculata beschrieben. Auf der Seite „Neue Literatur“ geht es um die von vier mexikanischen Botanikern untersuchte Taxonomie der Gattung Epithelantha.
Die Nachrichten aus den drei Herausgeber-Gesellschaften mit Kleinanzeigen, Hinweisen auf Veranstaltungen und vielem mehr runden die KuaS ab. Nicht zu vergessen: der allmonatliche Rückblick auf die KuaS vor 50 Jahren.

8

Mittwoch, 2. Oktober 2019, 19:22

Zum besseren Verständnis.

Die Beiträge 1-6 wurden bereits vor Veröffentlichung der Vorschau zur KuaS Oktober 2019 geschrieben, da diese Ausgabe bereits Ende September ausgeliefert worden ist.

Die Forensoftware sortiert sämtliche Beiträge grundsätzlich nach dem Datum des Postings, sodass die erwähnten Beiträge somit oberhalb der Vorschau stehen.

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Sonntag, 13. Oktober 2019, 11:03

Obwohl mir die Ausgabe Oktober der KuaS bereits seit Ende September vorliegt, habe ich das Heft erst gestern Nachmittag gelesen.

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass ich das Interesse an der KuaS verloren hätte..., doch weit gefehlt.

In den letzten Wochen ging es bei mir beruflich sehr hektisch zu und da ich die KuaS genießen und nicht nur einfach überfliegen möchte, war gestern Nachmittag der ideale Zeitpunkt dafür gekommen.

Bei sonnigem Herbstwetter habe ich die KuaS auf dem Balkon, inmitten meiner Kakteen und anderen Sukkulenten in aller Ruhe genießen konnte. Die Ausgabe ist wie gewohnt abwechslungsreich und informativ gestaltet. :thumbup: